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Ostern auf der Ostsee (2004) Jeder Tag auf See ist ein gelebter Tag. Ostertörn 10.-17. April 2004 | Jungfernfahrt der Nr. 7 | Bavaria 36 10. April | Samstag Auf der Nr. 7 sieht's aus wie auf einem Hauptpostamt kurz vor Weihnachten: Packete soweit das Auge reicht - auf und unter Deck. Vor den Spaß hat der Herr Gott den Kaffee gesetzt. „Jo, wo ist denn der Filter?“ - „Im Supermarkt.“ Und schon teilt sich die Crew, in Shopper und Mastausrichter - den der stand ja noch ganz schief. Außerdem sah es am Vorstag so leer aus. Genua ran. Irgendwann ist auch die letzte Rettungsinsel verstaut. Raus! Ach, nee, das Kind braucht ja noch seinen Namen. Boot zweimal längs parken - Nr. 7 steuerbords, Nr. 7 backbords am Bug. Am Heck hängt Jo mit dem Hintern fast im Wasser - so ein Eigner geht an seine Grenzen. Jetzt aber raus! Bis zur roten Tonne unter Groß. Die Dame des Hauses darf als erste Ruder gehen. Ralf parkt ein. Champagner für die Crew und - selbstredend - für Rasmus. Blumen an den Bugkorb bändseln. In der Kombüse setzt schwäbische Betriebsamkeit ein: Martin und Ralf haben da schon 'mal 'was vorbereitet. Mindestens drei Kilo Maultäschle wandern aus der Kühlung in den Topf. Jürgen und der Skipper pellen Kartoffeln. Gefräßiges Schweigen bis zum Platzen. Stefan putzt noch Jos Teller leer. Zur Roten Grütze mit Vanillesoße lichten sich die Reihen. Natalie muss gleich kotzen. Jo bittet sie, das Schapp mit einem großen „K“ zu kennzeichnen, damit er es in der nächsten Woche nicht aus Versehen šffnet. Jürgen zeigt uns Venus, Mars, Jupiter und Saturn. Stefans Klampfe schweigt. 11. April | Ostersonntag Die Jungs gehen duschen - morgens um 8 - im Frühnebel - warum? Stefan hebelt beim Versuch das Gas anzustellen fast das Boot aus den Angeln. Jetzt lugt auch Jos Kopf aus der Kajüte. Gas an - Kaffee voraus. Lila-Milka-Osterfrühstück. SKS-Frage # 120: Was ist vor Reisebeginn beim Seeklarmachen zu überprüfen und zu beachten? Nennen Sie mindestens sechs Beispiele. Maschine an, Leinen los, Fender rein, losfahren - sonst noch was? Motoren bis zur Hafenausfahrt, Segel raus, Kurs gen Greifswalder Bodden. Alles ziemlich relaxed - Käffchen koche, Nr. 7 läuft 6 Knoten. „Holen wir uns die 38er?“ - „Die haben ja gerefft!“ Jo und Ralf verbringen den halben Tag unter Tage „Jugend erforscht GPS“ Der Bodden. Ariadne bleibt backbord liegen. Ehemaliges Kernkraftwerk Greifswald steuerbord querab; Leuchttürme und Plattform voraus. Der Wind frischt auf; Welle baut sich auf. Jo steckt den Kopf aus den Niedergang - Einweisung der Crew in Rettungs- und Sicherungsmittel: „Weiß jeder, wo seine Rettungsweste und Lifebelt sind? Anlegen!“ Aus der Halse wird eine Q-Wende - eingepickt nehmen wir Kurs auf Freest. Groß runter, Genua reffen; Ralf geht Ruder. Tonnenpärchen suchen. Anlegen in S 41/3. Hafenmeister schnackert wegen der Klampenbelegung. „Was ist sein Problem?“ - „Lass ihn klug reden, vielleicht wird's dann billiger.“ - „Na, dann lass' ick mir allit erzähl'n - am Ende komm' wa mit mehr Jeld zurück.“ Anlegerbier. Anschicksen zum Landgang und Essen fassen. Unterwegs zu lesen: „Heringe, mit ca. 1 Std. Landgang.“ Zurück an Bord: Schwäbsche Betriebsamkeit - Uhr, Barometer und Kleiderhaken werden angeschraubt. Ups - da ist die Wand dünner als die Schraube lang. Martin holt die Säge. Passt. Stefans Hausmusik fiel auch heute aus. 12. April | Montag Zum Frühstück gibt's - allen Ernstes - Maultäschle - aufgebraten. Die Schwobe lasse nichts umkomme. Frau Moritz verschläft dieses Leckerli. Ablegen um halb. Motoren bei maximal 2 Bft., spiegelglatter See und Null Sonne. Es ist sooo kalt. Fütterung der Rudergängerin um 11 Uhr UTC. [An den Tag kann ich mich beim besten Willen nicht mehr erinnern. „Wenn wir nicht wissen, wie die Dinge des Lebens zusammenhängen, so sagen wir immer: zuerst, dann, später. Der Ort im Kalender! Ein anderer wäre natürlich ein Ort in unserem Herzen.“ Max Frisch | Bin oder Die Reise nach Peking] Zum Anlegen in Lohme bekommen wir auch wieder Sonnenbrillen-Wetter. Apfelstrudel und Kaffee im Café Niedlich. Ortsbesichtigung. Jo findet „sein“ Objekt: Segelschule mit Hotel. Wer gibt Geld? Kollektives Reinigungsritual dank Duschmarken. Nudeln mit Tomatensoße. Jo wäscht 1 1/2 Stunde mit allem Herzblut seinen Lieblingstopf und Pfanne ab. Dabei kommt er wie immer früher - heute einen Tacken später - auf das Thema „Sofortrente“. Auch heute wird die Klampfe nur hin- und hergeräumt. 13. April | Dienstag Der Skipper geht beim Nachbarboot „Stine“ Kaffee schnorren. Frühstück - Leinen los. Törnplanung findet draußen statt. Ystad steht im Raum. Was kšnnen wir, was sollen wir, was machen wir? 4 Knoten, 3, 2 ... Hiddensee. Martin packt seinen Sextanten aus. Nach vielen Hin und Her - Fazit Martin: „Die Sonne funktioniert noch.“ Jürgen kämpft am Kap Arkona tapfer mit 1 Knoten sog. Treibst du noch oder segelst du schon? Selbst der Spi-Segler weiter draußen macht keine erntzunehmende Fahrt. Motor an? Mit vollem Magen lassen sich Entscheidungen besser treffen. Erstmal Süppchen kochen. Die Ruhe hier draußen ... Wir dümpeln weiter. Ralf taucht auch wieder auf. Zwischenzeitlich hat er den Radar durchblickt. „Seht ihr 'was achterlich?“ Meinst du das Fischerfähnchen, an dem wir seit einer Stunde vorbei treiben?“ Jo geht Ruder - Ralf navigiert uns fast auf den Dornbusch. An Deck - ohne Radar - sieht die Welt ja so viel bunter aus. Es reicht: Motor an - Plattenbauten „ziehen“ an uns vorbei. Stefan möchte nicht kaufen: „Die haben ja gar keinen Balkon.“ Tonnen suchen zwischen Rügen und Hiddensee. Seeadler an Backbord. Anlegen im „Piratennest“ Lange Ort (21 Euro Hafengebühr!) Stine und Sarafina aus Lohme sind auch schon da. Übern Deich geht's per pedes nach Vitte, vorbei am Fußballplatz des 1. FC Hiddensee. Wenn Hertha nicht aufpasst, spielen die in der nächsten Saison hier. Leider müssen wir wieder lecker Fisch essen gehen - Ralf hat vergessen Mehl für die Spätzle zu kaufen. Die Bedienung sächselt. Jo versenkt seine Zigaretten hinter der Heizung und schreit nach „Sofortrente“. Zurück an Bord finden die Schwaben kein Ende: Ralf kocht Vanillesoße für das „Muggaseggele“ Rote Grütze. Da keine Haken zum Anschrauben übrig sind, wird tangens alpha diskutiert. [Mathematische Erklärung der Formel zur Entfernungsbestimmung mittels bekannter Hšhe eines Landobjekts] Jo hat's verstanden und gibt sein neuerworbenes Wissen gerne in der 4. Einheit zum SKS gerne weiter ... Draußen Planetarium. Das sechssaitige Holzinstrument schwieg sich aus. (nicht ganz: nach meiner Erinnerung haben Martin und ich zur Melodie „über den Wolken....“, Reinhard May, „auf Nr.7 ....“zu vertexten begonnen. Wurde bisher nicht vollendet. War auch der einzige Einsatz des Instruments., Stefan) 14. April | Mittwoch Nach langer Diskussion im Supermarkt müssen wir uns mit der tellerfertigen Roten Grütze aus der Pappschachtel zufrieden geben. Ablegen - akute Fährtätigkeit im Fahrwasser. Motoren bis Wiek. Jo zeigt uns die „Große Freiheit - Außenstelle Wiek“. Anlegen, Kaffee trinken an der von Brüssel finanzierten Hafenpromenade, Kirche besichtigen. Ablegen. Lappen raus - Jürgen geht ans Ruder. Wir segeln. Trimm-Meister Martin bekommt Unterstützung: Ralf ist verdächtig viel an Deck. Anscheinend hat er den letzten Knopf gefunden, der piepst, wenn man drauf drückt. Beide machen sich über Achterliek-Bändsel der Genua, Traveller und Unterliek-Strecker her. Mit 6 Knoten schräddern wir durchs Fahrwasser gen Jasmunder Bodden. Vorbei an den Anglern, die links und rechts im Wasser Spalier stehen. Leider müssen wir abbiegen. Blinker raus - der Wind kommt von vorne, Segel rein, Motor an. 10 Tonnepärchen weiter - abbiegen auf Am-Wind-Kurs. Segel raus. Ralf geht Ruder: „Nehmen wie die Sun Odyssee auf Lee?“ Außerhalb des Fahrwassers ist es leider zu flach. Zur Demütigung geht wenigstens die Frau ans Ruder. Wir lassen „Filou“ achterlich auswandern, die o |
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